Klimmzüge im CrossFit — was wirklich zählt
Lukas Brandt, Trainer bei Kelmurai, spricht offen über häufige Fehler beim Erlernen von Klimmzügen, worauf es in der Trainingsplanung ankommt und warum viele Athleten länger brauchen als erwartet.
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Beides stimmt ein Stück weit. Klimmzüge fordern gleichzeitig Griffkraft, Schultermuskulatur, den Rücken und die Körperspannung — das ist eine Kombination, die viele unterschätzen, weil man bei anderen Übungen selten alle diese Bereiche auf einmal beansprucht. Aber die Erwartung spielt tatsächlich eine große Rolle.
Wer nach zwei Wochen saubere Kipping Pull-ups erwartet, wird frustriert sein. Ein realistisches Zeitfenster für Anfänger ohne Grundlage liegt bei drei bis sechs Monaten, wenn regelmäßig trainiert wird. Das klingt lang, ist es aber nicht — verglichen damit, wie viele Muskeln dabei neu aufgebaut werden müssen.
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Der häufigste Fehler ist nicht die Technik selbst, sondern das vollständige Überspringen der Zugphase mit gestreckten Armen — das sogenannte Scapula-Engagement. Die meisten Athleten hängen einfach passiv in den Schultern, bevor sie ziehen. Das macht nicht nur die Übung schwieriger, sondern erhöht langfristig das Verletzungsrisiko an der Rotatorenmanschette.
Ich verbessere das mit einer einfachen Übung: hängen an der Stange und nur die Schulterblätter zusammenziehen, ohne die Arme zu beugen. Das klingt banal, aber die meisten Leute schaffen das erst nach einigen Wochen sauber. Wenn das sitzt, verbessert sich die gesamte Zugbewegung deutlich schneller als durch wiederholte Klimmzugversuche allein.
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Das sind grundlegend verschiedene Probleme. Wer noch keinen Klimmzug schafft, braucht vor allem Kraft — spezifische Arbeit an Rows, Lat-Pulldowns mit dem eigenen Körpergewicht und negative Klimmzüge. Die Bewegungskompetenz ist da, die Muskelmasse noch nicht.
Bei jemandem mit 10 Wiederholungen ist das Plateau meistens keine Kraftfrage mehr, sondern eine der Effizienz. Ab einem bestimmten Punkt zählt, wie viel Energie pro Wiederholung verbraucht wird — und da hilft gezieltes Kipping-Training, Atemkontrolle und das Verständnis, wann man eine Reihe beenden und neu starten sollte. Das klingt strategisch, aber genau das ist CrossFit-Training für Wettkämpfe.
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Für fortgeschrittene Athleten kann die Grease-the-Groove-Methode sinnvoll sein — das bedeutet, mehrmals täglich wenige Wiederholungen bei geringer Intensität zu machen, um Bewegungsmuster zu festigen. Aber das setzt voraus, dass der Körper die Übung bereits kennt.
Für Anfänger oder Menschen in einem intensiven CrossFit-Programm empfehle ich nicht mehr als drei spezifische Einheiten pro Woche. Sehnenkraft entwickelt sich langsamer als Muskelkraft — das ist der Engpass, den viele übersehen. Wer zu schnell zu viel macht, riskiert Überlastungsprobleme am Ellenbogen oder an der Schulter, die dann monatelang ausbremsen können.
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Im Gruppenformat arbeiten wir mit Skalierungsoptionen — jeder Teilnehmer macht dieselbe Trainingsstruktur, aber auf seinem aktuellen Niveau. Das funktioniert gut für Motivation und Gemeinschaft, aber technisches Feedback geht dabei oft verloren, weil ich als Trainer nicht gleichzeitig bei jedem stehen kann.
Im Einzelformat sehen wir Bewegungsmuster, die im Gruppentraining jahrelang unbemerkt bleiben könnten. Wir nutzen Videoanalyse und arbeiten mit einem kurzen wöchentlichen Feedbackgespräch, in dem ich konkrete Anpassungen für die Woche mitgebe. Das ist ein großer Unterschied zu einer Einheitslösung — aber auch nicht für jeden nötig. Wer regelmäßig im Kurs dabei ist, kommt mit dem Gruppenformat sehr weit.
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Ja — und das ist eigentlich keine Überraschung, aber trotzdem wird es ständig ignoriert: Der erste Klimmzug ist keine Kraftleistung, sondern eine koordinative Leistung. Wer denkt, er muss nur stark genug werden, trainiert am Ziel vorbei. Der Körper muss lernen, welche Muskeln in welcher Reihenfolge aktiviert werden.
Das zweite ist Geduld mit dem eigenen Fortschritt. Ich beobachte oft, dass Athleten nach sechs Wochen aufhören, weil sie keinen sichtbaren Unterschied bemerken. Aber gerade in dieser Phase passiert unterhalb der Oberfläche sehr viel — Sehnen adaptieren, neuronale Muster festigen sich. Wer hier durchhält, merkt das meistens im achten oder neunten Monat auf einmal sehr deutlich.
